Das Annenfest

Es gibt nur wenige kirchliche Feste in Essen, die wie das St. Annenfest seit fast 500 Jahren gefeiert werden. Am St. Annentag, dem 26. Juli, ziehen die Gläubigen ins Annental, um dort den Gottesdienst zu feiern, als Sühne für den Hostienfrevel, der einst an dieser Stelle geschah. Aber wie überall hat es in den letzten 50 Jahren große Veränderungen gegeben. Von mehreren Tausend Besuchern sind jetzt noch etwa 500 geblieben, und die große Annenkirmes ist vollständig verschwunden. Aber es gibt immer noch genug Menschen, die versuchen die Tradition fort zu setzen und das Annenfest lange lebendig zu gestalten. Eine feste Institution dabei ist der Verein der “Freunde und Förderer des Annenfestes“.

 

Wo liegt eigentlich der Ursprung für dieses Fest?

Die Geschichte (Ludwig Potthoff, 1953) berichtet darüber folgendes:

Es war im Jahre 1516, am Tag des hl. Apostels Jakobus, am 25. Juli. Seit undenklichen Zeiten feierte man an diesem Tag in Rellinghausen das Fest der Kirchweihe oder Kirmes. Die kirchliche Feier war beendet. Die Leute gingen zum Mittagessen nach Hause. Mit Verwandten und Bekannten, auch von Außerhalb, wollte man diesen Festtag im Familienkreis feiern. Da nun zu dieser Zeit die Kirche leer war, nutzten zwei Gauner die Gelegenheit und schlichen sich in das Gotteshaus. Sie erblickten dort neben dem Altar im Tabernakel, wo die hl. Eucharistie aufbewahrt wurde, einen Lederbeutel. In der Meinung, dass der Beutel Kollektengelder enthielte, die an diesem Tage reichlich eingegangen waren, ergriffen sie den Beutel und eilten mit der Beute ins Mühlbachtal (heute: Walpurgistal / Annental) hinab. Als sie an einer einsamen Stelle den Lederbeutel öffneten, erschrak der eine Übeltäter, denn er enthielt statt der erhofften Kollekte ein silbernes Gefäß mit geweihten Hostien, die der Priester bei seinen Besuchen den Kranken und Sterbenden zu reichen pflegte.

Voll Abscheu über diese Tat verließ der eine Dieb seinen Gefährten und flüchtete in Richtung Essen. Der andere aber, der das wertvolle silberne Gefäß verkaufen wollte, eilte weiter das stille Mühlbachtal hinab, in dem ein Schäfer seine Herde hütete. Der bemerkte den Fremden, als er die hl. Hostien in einen Dornenstrauch schüttete. Der Schäfer ergriff den Dieb und benachrichtigte den Richter, der den Übeltäter ins Gefängnis werfen ließ.

Dort verriet er auch seinen Komplizen, der in Essen festgenommen wurde und auf dem Räderkamp, an der Kreuzung der heutigen Dreilinden- und Friedrichstraße, hingerichtet wurde. Der andere wurde auf der Rellinghauser Richtstätte am Galgenberg, auf der heutigen Schillerwiese, erhängt.

Am Tage nach dem Hostienraub, am 26. Juli, dem Namensfest der hl. Mutter Anna, schritten die Stiftsfrauen und Priester mit vielen Gläubigen mit Kreuz und Fahnen betend und singend zu dem Dornenstrauch im Annental. Ehrfürchtig sammelte der Priester die hl. Hostien auf. Dann zog man in feierlicher Prozession mit dem Allerheiligsten wieder zur Stiftspfarrkirche zurück.

Die Stelle des geweihten Dornstrauches, die bald die hl. Stätte hieß, wurde anfangs von einem Zaun umgeben. Viele Pilger fanden sich dort ein. Sie spendeten reichlich, so dass bald über dem Dornstrauch eine kleine hölzerne Kapelle erbaut werden konnte. Sie wurde Kapelle zur hl. Stätte (Corporis Christi) und später St.-Anna-Kapelle genannt. Von nun an war sie alljährlich am St.-Annen-Tag das Ziel vieler Pilger, die hier im Freien dem Gottesdienst beiwohnten und danach in feierlicher Prozession zur Pfarrkirche zurückkehrten. So hielt man es über die Jahrhunderte bis heute. Das Kirchweihfest in Rellinghausen, dessen Feier bis zum Jahre 1516 auf den St. Jakobstag, den 25. Juli, fiel, verlagerte sich auf den St. Annentag, den 26. Juli.

Dieses Heimatfest machte einen so tiefen Eindruck auf die Menschen, dass sich bald der geschichtliche Kern mit Sagen und frommen Legenden vermischte. So entstand die Schäfersage: Am Tage des Hostienraubes hütete ein Schäfer seine Herde im Mühlbachtal. Als er den von Gebüsch durchsetzten Wiesengrund durchstreift, sieht er, wie sich die Schafe vor einem Dornstrauch auf die Knie niederlassen. Erstaunt geht er dorthin. Jetzt bemerkt er die ausgestreuten Hostien und überbringt die Nachricht dem Dorf.

Eine andere Sage erzählt: Als im Frühjahr die Blätter aus dem Dornbusch hervorsprossen, zeigte sich auf ihnen das Bildnis der Hostien.

Die ursprüngliche kleinere Kapelle wurde im Jahre 1701 durch den jetzigen Bau ersetzt. Damals erhielt die Kapelle auch den schönen Barockaltar. Das Gemälde auf ihm hält den Augenblick im Bilde fest, als der Priester, umgeben von zwei Mitkanonichen und begleitet von den Stiftsdamen und vielen Gläubigen, die geweihten Hostien am Dornstrauch einsammelt.

Das jetzige Altarbild, eine Kopie des Originalgemäldes, wurde von dem Kirchenmaler Johann Bartscher aus Oelde in Westfalen angefertigt. Das Original, das aus der Zeit um 1700 stammt, hängt im Pfarrhaus. Es zeigt die alte Stiftskirche im Hintergrund.

Im Türmchen der Kapelle hängt eine Glocke aus dem Jahre 1626. Sie hat folgende Inschrift:

 

ANNA VOCOR CUNCTIS ME PLEBS HIC INVOCAT ANNIS 1626

(Anna werde ich genannt, in allen Jahren ruft mich hier das Volk an)

Möge die St. Annenkapelle auch weiterhin eine Zelle des kirchlichen Gemeindelebens bleiben und das Annenfest ein Mittelpunkt der Großgemeinde St. Lambertus werden.         

 

 

N. B.    Im Wappen der Stiftspfarrei St. Lambertus ( s. oben) befinden sich Wappenschilde an jeder Seite des hl. Lambertus mit dem Bischofsstab. Links das Wappen des Stifts Rellinghausen, mit dem Kreuz, das über der Ruhr liegt. Rechts das Annenwappen, mit dem Kelch, dem Dornstrauch und den Hostien. Das zeigt die enge Verbundenheit der Stiftspfarre mit dem Annenfest.

Der Verein der Freunde und Förderer des Annenestes

Das Annenfest in Rellinghausen kennt jeder, wer aber sind die Freunde und Förderer des Annenfestes?

Im Jahre 1968 hatten einige Kolpingmitglieder die Idee einen Verein zu gründen, der das Annenfest mitorganisiert und das Umfeld der Kapelle pflegt. Die Kolpingfamilie Rellinghausen hatte schon immer an den Vorbereitungen zum Annenfest mit gearbeitet.

Der Zweck dieses Vereines ist in der Satzung festgelegt:

  •        Förderung des St. Annenfestes in Rellinghausen
  •        Gestaltung des Festplatzes an der Annenkapelle.

Es werden keine festen Beiträge erhoben, sondern Mitglied ist jeder, der mit einer Spende zur Förderung des Vereins beiträgt (Kto. Nr. s. unten). Einmal im Jahr, unmittelbar nach dem Annenfest, findet die jährliche Hauptversammlung mit anschließendem gemütlichem Beisammensein statt.

Was geschieht nun mit dem gespendeten Geld? Neben den Ausgaben rund um das Annenfest – Blumen etc. – wurden in den letzten Jahren größere Beträge ausgegeben zur Reparatur der Glocke, zur Entfernung der Schmierereien an der Kapelle, für die Gestaltung des neuen Altares und zum Ankauf von neuen Teppichen und Fahnenstoffen.

Wir wissen, dass Sie alle Freunde des Annenfestes sind. Es wäre aber schön, wenn noch mehr sich zu den Förderern zählen würden. Der Verein ist ein “eingetragener Verein“ mit dem Status der Gemeinnützigkeit, d. h. es dürfen Spendenquittungen ausgestellt werden.

Zur Verschönerung des Festplatzes suchen wir vor dem Annefest immer Helfer. Die Termine dazu werden rechtzeitig bekannt gegeben.